, Umwelt - Olbrecht Luana

Fischerei am Bodensee

Viele Fischer und Fischerinnen können heute nicht mehr von der Fischerei alleine leben und müssen sich einen zweiten Job suchen. Ein Bericht, wie es dazu kommt.

Das alte traditionelle Handwerk, das von Generation zu Generation weiter gebracht wurde, ist langsam am Erlöschen. In den 60ern und 70ern sah die Situation ab Bodensee aber noch ganz anders aus: Die Erträge der Fischerei waren auf einem Maximum. Doch seither sinken die Erträge jährlich weiter bis zur heutigen Existenzgefahr des Berufes am Bodensee. Doch wie ist es überhaupt zu solch einer Situation gekommen?

Ursprünglich war der Bodensee ein oligotrophes Gewässer (hat ein geringes Nährstoffangebot und hat daher auch eine geringe organische Produktion). Doch in den 60ern, 70ern wurde der See stark eutroph (sehr Nährstoffreich) durch den hohen Eintrag von Phosphat  einerseits durch die Landwirtschaft und andererseits durch das Abwasser der Gemeinden. Der hohe Phosphorgehalt im Abwasser kommt durch Harnstoff aus Fäkalien und Eiweißverbindungen (z.B. aus Grossküchen, Restaurants und Lebensmittelindustrie) zustande. Diese werden durch Mikroorganismen abgebaut und können dann ins Abwasser eingetragen werden.Die Eutrophierung führt zu Algenblüten und wenn die Algen danach abgebaut werden sinken sie an den Grund des Sees. Dieser Abbau benötigt Sauerstoff, der in den tiefen Schichten jedoch stark begrenzt ist, da das Sonnenlicht nicht bis an den Grund reicht und somit keine Photosynthese und Sauerstoffproduktion stattfinden kann. Es entstehen anoxische Bedingungen an Grund. Die Larven des Blaufelchen schlüpfen in der Sedimentschicht und durch das Fehlen des Sauerstoffes wird der Fortpflanzungszyklus dieses Fisches gestört.Darauf hin wurden die jungen Fische einfach in Fischbrutanstalten gezüchtet, wo viel Plankton für die jungen Fische vorhanden war und die Fischerei war nicht mehr bedroht Die Befürchtung tauchte jedoch auf, wenn die starke Eutrophierung immer weiter ansteigt irgendwann das ganze Seeökosystem kippen könnte und damit auch die Fischerei sowie das Erholungsgebiet See. Die Phosphoreinträge mussten deshalb reduziert werden. Die internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee hat sich darauf geeinigt, die Phosphat Konzentration auf vor-industrielle Werte zu senken. Dies wurde erreicht durch neue Methoden in den Kläranlagen, die den Phosphor herausfiltern können. Bereits nach kurzer Zeit war der See wieder so «sauber», wie vor dem 20. Jahrhundert. Doch damit sanken auch die Erträge der Fischerei.  Heute kommen bereits viele Fische, die wir rund um den Bodensee essen gar nicht mehr aus dem Bodensee selbst, sondern aus Fischzuchtstationen oder weit her aus dem Meer zum Beispiel aus Norwegen. Was gibt es für Möglichkeiten diesen, für die Tradition der Region sehr wichtigen Wirtschaftszweig, zu erhalten und trotzdem das Ökosystem und dessen Funktionen zu erhalten, die für das Leben von uns und den Organismen um uns herum sehr wichtig sind?  

 


Quellen: 
Schnell, K.-D. (2016). Geschäftsstelle der IBK  |  Benediktinerplatz 1  | DE-78467 Konstanz.